Der Mittelpunkt Hamminkelns

Der geografische Mittelpunkt von Hamminkeln liegt an der Straße Underhook in
Dingden. Alois Tielkes radelt häufig auf dem Nachhauseweg am Mittelpunkt vorbei.
Hamminkeln. In Hamminkelns Mitte gibt es drei Garagentore mit Symbolwert. Sie sind der Mittelpunkt der Stadt. Ermittelt haben ihn die Experten des Fachdienstes 68 bei der Kreisverwaltung Wesel.
Die direkten Nachbarn des geografischen Mittelpunkts von Hamminkeln sind nicht zu Hause. Das Läuten an den zentralsten Türglocken der Stadt bleibt ohne Antwort. Still ist es, vereinzelt tanzen kleine Mücken in der Luft, ab und an kläfft im Garten hinterm Haus ein Hund.
Nur wenige Meter entfernt ist er, der Mittelpunkt der Stadt. Ermittelt haben ihn die Experten des Fachdienstes 68 bei der Kreisverwaltung Wesel. Ihr Zuständigkeitsfeld umschreibt sich mit den Worten „Liegenschaftskataster und Kartographie“. Unter anderem pflegen sie die sehr detailgetreue Deutsche Grundkarte. Auf 259 Blättern im Format 40 mal 40 Zentimeter wird damit der gesamte Kreis Wesel flächendeckend im Maßstab 1 : 5000 abgebildet.
Beobachtungen im geografischen Zentrum Doch zurück nach Hamminkeln. Hier, unweit der Straße Underhook, ist man mittendrin. Auch, wenn auf den ersten Blick nichts darauf hin deutet. Das Wohnhaus lassen wir zurück, passieren drei Garagentore, auf die jemand eine Gebirgslandschaft, ein Seengebiet und einen Palmenstrand gemalt hat. Was soll uns das sagen? Lautet die Botschaft gar: Wir sind der Mittelpunkt, um uns herum dreht sich die Welt?
Nach wenigen Schritten erreichen wir dann Hamminkelns geografisches Zentrum. Der Punkt liegt genau auf einer Wiese. Sie ist nicht gemäht, das Gras steht rund 30 Zentimeter hoch. Es ist ein schmaler, grüner Streifen zwischen einem lehmigen Acker, der in der Grundkarte als Kocksweide verzeichnet ist, und den gepflegten Gartenausläufern der Mittelpunkts-Nachbarn von Haus Nummer 5. Eine Sonnenliege steht parat, daneben hölzerne Gartenstühle und ein Tischchen. Stille Zeugen der letzten Freiluftaktivitäten bei schönem Wetter. Auf der Straße, die daran entlang führt, ist wenig Verkehr. Schilder warnen: „Achtung! Seitenstreifen nicht befahrbar“.
Ein Postauto und ein Radler Dann kommt Alois Tielkes mit seinem Fahrrad durch die Straße Underhook gerollt. Er grüßt freundlich, hält an. Ob er eine Ahnung hat, wo der Mittelpunkt von Hamminkeln sein kann, fragen wir. „Da muss ich erstmal überlegen, schließlich ist das Gebiet ja sehr groß“, sagt der 73-Jährige. Dann gibt er seinen Tipp ab: „Ringenberg. Irgendwo da.“ Eine gute Vermutung. Dann erfährt er von uns, dass er direkt davorsteht. „Ach, hier soll das sein“, sagt Tielkes. „Spannend, was die heute alles mit ihren Luftbildern und Satelliten ermitteln können.“ Er lässt das Gehörte kurz auf sich wirken, sagt, „Ja, das mit dem Mittelpunkt kommt hin“, steigt auf sein Fahrrad und fährt heim. Seine Frau wartet schon mit dem Mittagessen.
Zurück zum Haus. Vielleicht sind die Mittelpunkts-Nachbarn inzwischen wieder zurück. Sind sie nicht. Dafür kommt ein gelbes Postauto des Weges. Am Steuer sitzt Briefzustellerin Martina Schmitz. Sie arbeitet für das Unternehmen als Springerin, kommt also viel herum und kennt sich gut aus in der Region. „Wo der Mittelpunkt von Hamminkeln sein soll?“, fragt sie zurück, eher rhetorisch. „Ich wette, er ist genau hier. Warum sollten Sie denn sonst hier stehen?“ – Haarscharf kombiniert, und dafür braucht sie noch nicht mal die Deutsche Grundkarte.
Text/Foto: NRZ -Lokalredaktion Wesel - vom 24.10.2011